Original Foto Der Schrei Munch
Die norwegische Tagezeitung "Dagbladet" berichtet am Donnerstag unter Berufung auf eine "zentrale Quelle aus Oslos kriminellen Kreisen", das im August vergangenen Jahres gestohlene Bild sei verbrannt worden, um eventuelle Beweise zu vernichten.
Das weltberühmte Gemälde wurde demnach nach dem Raub aus dem Munch-Museum in Oslo zunächst in einem Ferienhaus aufbewahrt. Laut "Dagbladet" geht dieser Umstand auch aus einem geheimen Polizeibericht hervor. Der Kunstraub sei möglicherweise nur als Ablenkungsmanöver zur Verschleierung eines vorher in Stavanger verübten Raubüberfalls durchgeführt worden. Eine Gangsterbande hatte dabei 58 Millionen Kronen aus einer Geldwechselzentrale erbeutet und bei der Flucht einen Polizisten getötet. Der mutmaßliche Bandenchef - Norwegens meistgesuchter Krimineller - wurde im April im südspanischen Malaga festgenommen.
Durch ihre Bekanntheit ist das Gemälde auf dem illegalen Kunstmarkt so gut wie unverkäuflich. Da bisher laut offiziellen Informationen keine Lösegeldforderungen eingetroffen sind, dürfte es sich auch nicht um einen Fall von "Artnapping" handeln.
Das Bild soll bereits beim Überfall durch das Herausbrechen aus dem Rahmen stark beschädigt worden sein.
Der "Schrei" hat nach Munchs Tagebuchaufzeichnungen seinen Ausgangspunkt in einem Naturerlebnis, das er unter dem Datum des 22. Januars 1892 beschreibt.
Ein Sonnenuntergang mit einem blutroten Himmel über einen blauschwarzen Fjord: "Ich blieb in lähmender Angst stehen und fühlte einen unendlichen Schrei durch die Natur hallen."
Kultusministerin Valgerd Svarstad Haugland sprach von "Schock und Wut" und kündigte eine Untersuchung an. Es müsse umgehend untersucht werden, "ob wir unsere Gewohnheiten ändern" müssen.
Ein Magazin setzte eine Belohnung von 100 000 Kronen (12 000 Euro) aus.
"Der Schrei" weckt in mir eine Empfindung, die ich zehnmal am Tag nacherlebe. Ein Mensch, der von einer Menge fortgeschwemmt wird, die nur er allein sieht, schreit plötzlich auf.
Stillschweigendes Einverständnis, erstarrtes Lächeln, Worte ohne Lebendigkeit, Schlaffheit und Demütigungen sammeln sich unter seinen Schritten an, strömen in ihn hinein, treiben seine Wünsche und Träume aus ihm heraus, vernichten die Illusion, "mit jemandem zusammen zu sein". Man geht nebeneinander her, ohne einander zu begegnen. Die wachsende Isolierung kennt kein Ende.
Je dichter die Menschen zusammen leben, um so stärker bemächtigt sich ihrer die Leere.
Plotin: "Alle Lebewesen sind zusammen, obwohl jedes einzelne von ihnen getrennt bleibt."